Sa, 04.02.2012
Beim “Dialog über Deutschlands Zukunft” wünscht sich die Bundeskanzlerin keine “philosophischen Abhandlungen”, sondern umsetzbare Vorschläge. Merkel beantwortet im Video-Podcast Fragen zum Zukunftsdialog. mehr
Sa, 04. Februar 2012
Die Fragen stellte Annegret Müller, 23, Journalistik-Studentin aus Leipzig
Annegret Müller: Wie und wovon wollen wir in Zukunft leben? Wie wollen wir lernen? Frau Bundeskanzlerin, in Ihrer Neujahrsansprache haben Sie den „Dialog über Deutschlands Zukunft“ vorgestellt, der sich mit eben diesen Fragen beschäftigt. Was genau wollen Sie mit dem Dialog erreichen?
Bundeskanzlerin Angela Merkel: Wir machen ja sehr oft Politik für den Tag und vielleicht für die nächsten zwei, drei Jahre. Aber ich glaube, wir bewegen uns auch in einer Zeit, in der wir uns darauf einstellen müssen, dass sich vieles ändert – auf der Welt, aber auch in unserem Land. Und deshalb möchte ich mit den Bürgerinnen und Bürgern, aber auch mit Experten darüber diskutieren: Wie wollen wir morgen zusammenleben? Wie wollen wir lernen? Und wovon wollen wir eigentlich leben? Und dazu gibt es verschiedene Ansätze: einmal Treffen mit Bürgern in Gesprächen, aber auf der anderen Seite eben auch die Möglichkeit, im Internet mitzumachen.
Seit dem 1. Februar können ja jetzt alle Bürgerinnen und Bürger unter www.dialog-ueber-deutschland.de ihre Vorschläge zur Diskussion stellen. Was für Ideen erhoffen Sie sich denn?
Ich erhoffe mir Ideen von den Bürgerinnen und Bürgern über ihre Vorstellungen von Deutschland in fünf bis zehn Jahren. Ich erhoffe mir Vorschläge, die auch umsetzbar sind – also nicht so allgemeine philosophische Abhandlungen, sondern etwas, wo- raus wir dann auch konkrete Vorhaben machen können. Ich erhoffe mir, dass die, die mitmachen, auch die Vorschläge anderer bewerten, so dass ich ein Gefühl davon bekomme: Was kommt besser an? Was mögen vielleicht nur einzelne richtig finden und andere nicht? Also, ich erhoffe mir eine lebendige Diskussion.
Wie lange können auf der Online-Plattform Vorschläge gemacht werden, und was passiert danach mit den Ideen?
Die Vorschläge können bis Ostern gemacht werden. Und mit den Ideen wird dann folgendes gemacht: Wir werten sie aus; jeder, der mitmacht, bekommt auch eine Antwort. Wir schauen dann, welche Ideen wurden am besten bewertet. Die zehn, die am besten bewertet wurden, bekommen eine Einladung ins Kanzleramt; mit denjenigen werde ich auch sprechen. Wir stellen die Ideen den Experten vor – wir haben 120 Experten, die sich über diese Fragen auch Gedanken machen – und die fließen dann ein in das Endergebnis des ganzen Bürgerdialogs. Und dann stellen wir im August die Vorschläge vor, die wir auch umsetzen wollen.
Es wird ja immer wieder kritisiert, dass der einfache Bürger nicht genügend Einfluss auf die Politik hat. Wie viel kann denn der „Dialog über Deutschlands Zukunft“ da tatsächlich verändern?
Er wird sicherlich nicht alles verändern können, aber er wird doch eine neue Form sein. Wir sind selbst neugierig und gespannt, denn wir haben so etwas noch nie gemacht. Und deshalb lade ich auch möglichst viele ein mitzumachen. Und wenn das erste Mal dieser Dialog gelaufen ist, dann werden wir natürlich hinterher sagen können: Was ändert das? Und wie fließt das ein? Und was müssen vielleicht auch wir daraus lernen für ein nächstes Mal.