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Autor Hans Praast am 27. Juli 2009
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Arbeitsmarkt

Jobwunder durch Konsumsteuer

Sehr geehrte Frau Merkel,

sehr interessiert verfolge ich derzeit die Wirtschafts- und Finanzkrise. Diverse Bücher, die ich im letzten halben Jahr gelesen habe, haben mein Weltbild bezüglich der Finanzmärkte und der Globalisierung sehr ins Wanken gebracht, um nicht zu sagen ins Gegenteil verkehrt. Durch den immer weiter steigenden Kostendruck durch den internationalen Wettbewerb um billige Arbeitskräfte steht für mich fest, dass entweder die Arbeitslosigkeit in Deutschland immer weiter ansteigen wird oder die Gehälter so stark sinken werden, um international wettbewerbsfähig zu bleiben, dass die Arbeitnehmer zunehmend von dem sauer verdienten Geld nicht mehr ihren Lebensunterhalt bestreiten können (die Reallöhne sind bereits in den letzten Jahren in Deutschland im Schnitt gesunken). Zukünftig werden aus meiner Sicht auch hoch qualifizierte Jobs immer mehr ins Ausland abwandern, da dort zunehmend sehr gut ausgebildetes Personal für einen Bruchteil der deutschen Lohnkosten zur Verfügung steht (z.B. China und Indien).

Allerdings meine ich einen Ausweg aus diesem Dilemma entdeckt zu haben: nachdem ich das Buch „Das neue Wirtschaftswunder“ von Manfred Julius Müller gelesen habe, ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen. Die Grundaussage ist dabei, unseren Sozialstaat nicht wie bisher über den Faktor Arbeit (Sozialabgaben und Einkommenssteuer) zu finanzieren, sondern über den Konsum: Durch die Absenkung der Lohnnebenkosten bei gleichzeitiger Erhöhung der Mehrwertsteuer würden zwei entscheidende Effekte erreicht:
1) Die Nettopreise deutscher Produkte würden erheblich sinken, da die Einkommenssteuern und Sozialkosten nicht mit eingepreist werden müssen ==> Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit für den Export und damit die Chance auf die Schaffung neuer Arbeitsplätze
2) Die in Deutschland konsumierten Importwaren würden auch mit der höheren Mehrwertsteuer belastet werden und somit im Preis ansteigen ==> Verbesserte Wettbewerbsfähigkeit einheimischer Produkte gegenüber Importprodukten, da der Verkaufspreis sich für einheimisch Waren vermutlich nicht ändern würde (die höhere Mehrwertsteuer würde durch Senkung der Nettopreise ausgeglichen werden können)
Mit diesen Maßnahmen würde man mit Sicherheit die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland verlangsamen und wahrscheinlich viele zusätzlich Arbeitsplätze im Inland schaffen.
Den Ansatz, den Sie in 2007 mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer um 3 % Punkte bei gleichzeitiger Absenkung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge gemacht haben, ging aus meiner Sicht genau in die richtige Richtung und hatte auf dem Arbeitsmarkt in den Jahren 2007 und 2008 eine sehr positive Wirkung. Leider habe ich das Gefühl, dass die Politik nicht den Mut hat, diesen Weg weiter zu gehen, da eine Erhöhung der Mehrwertsteuer in der Öffentlichkeit sehr negativ wahrgenommen wird. Dabei ist die Erhöhung nur die halbe Wahrheit, da es auf der anderen Seite ja auch Einsparungen gibt. Aus meiner Sicht muss sichergestellt sein, dass diese Einsparungen teilweise auch beim Bürger in Form von höheren Nettoeinkommen ankommen und die Effekte dieser Steuerumlagerung positiv in der Öffentlichkeit dargestellt werden!

Frau Merkel, bitte haben Sie nach der Bundestagswahl den Mut, den im Jahr 2007 eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Eine schrittweise Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 25% (wie sie in den meisten skandinavischen Ländern schon die Regel ist) bei gleichzeitiger Absenkung der Lohnnebenkosten wird aus meiner Sicht einen enorm positiven Einfluss auf die Beschäftigungsentwicklung in Deutschland haben!

Ich bin gespannt, wie Sie meinem Vorschlag gegenüberstehen.

Mit freundlichen Grüßen

Hans Praast

+2001

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