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seit 2006 beantwortete das Bundespresseamt Ihre Fragen auf dieser Plattform im Auftrag der deutschen Bundeskanzlerin. Im Zuge einer Neustrukturierung entwickelt das Bundespresseamt sein originäres Angebot weiter im Sinne eines Bürgerservices mit Dialogmöglichkeiten. Auf dieser Plattform wurden am Montag, den 30. April 2018, die letzten drei Fragen beantwortet. Neue Beiträge und Kommentare werden nicht mehr veröffentlicht.

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Ihr Moderationsteam

Beantwortet
Autor Matthias Gruber am 17. Dezember 2017
3373 Leser · 12 Kommentare

Die Kanzlerin direkt

Die böse populistische Mär vom Bevölkerungsaustausch

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

über die bösen Populisten von der AfD ergeht ja regelmäßig Hohn und Spott, wenn diese davon reden, dass eine "Islamisierung" stattfindet oder die deutsche Bevölkerung "ausgetauscht" wird.

Wie wäre es mit einem kleinen "Faktencheck":
2015 sind knapp 900.000 Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. 2016 ist die Anzahl "massiv" gesunken, so dass es "nur" noch ca. 280.000 waren. 2017 wird schon als Jahr gefeiert, in dem die Flüchtlingszahlen sich auf "sehr niedrigem Niveau" befinden, es wird mit ca. 200.000 gerechnet, was dann auch gleichzeitig in etwa dem Richtwert bzw. der "Obergrenze" entspricht die CDU/CSU ausgehandelt haben.

Stellt man dem nun die Geburtenzahlen der letzten Jahre gegenüber ergibt sich folgendes Bild:
In den letzten 10 Jahren gab es in Deutschland durchschnittlich ca. 700.000 Geburten. 2015 und 2016 werden mit ca. 740.000 bzw. 790.000 schon als geburtenstarke Jahrgänge bewertet.

In 2015 ist somit das 1,3-fache eines kompletten Geburtenjahrgangs an Flüchtlingen nach Deutschland gekommen, 2016 das 0,4-fache und bei einer Prognose von ca. 200.000 Flüchtlingen wird es in Zukunft ca. das 0,3-fache des Geburtendurchschnitts der letzten 10 Jahre sein.

Zusätzlich beachtet werden sollte, dass von der jährlichen Geburtenzahl in Deutschland ja auch schon ein nicht unerheblicher Teil Geburten von Ausländern sind und diese im Durchschnitt auch mehr Kinder haben als deutsche Familien, was das Verhältnis noch weiter vergrößert.

Bei der aktuellen Abschiebe- und Duldungspraxis ist davon auszugehen, dass die meisten Flüchtlinge auch in D bleiben werden.

Mit welchen rationalen Argumenten begegnen Sie diesen Zahlen?

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 19. Januar 2018
Angela Merkel

Sehr geehrter Herr Gruber,

vielen Dank für Ihre Frage, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten.

Deutschland hat nicht zuletzt unter historischen und moralischen Gesichtspunkten eine Verantwortung gegenüber Menschen, die politisch verfolgt werden. Dieser Verantwortung werden wir gerecht, indem wir Menschen in unserem Land Schutz bieten, solange sie in ihrer Heimat nicht sicher sind. Das Asylrecht ist in Artikel 16a Grundgesetz verankert. Hierfür gibt es keine Obergrenze.

Klar ist aber auch: Diejenigen, die kein Aufenthaltsrecht bei uns bekommen, die nicht als Asylbewerber anerkannt werden und die keinen Flüchtlingsschutz nach der Genfer Konvention oder subsidiären Schutz erhalten, müssen Deutschland wieder verlassen:
http://direktzu.de/kanzlerin/messages/obergrenze-81222#id...

Diesen Umstand berücksichtigen Sie in Ihrer „Gegenrechnung“ nicht. Zudem haben Bund und Länder bei der Durchsetzung der Ausreisepflicht bereits viele Verbesserungen erreicht. Dies spiegeln auch die aktuellen Zahlen der Asylstatistik 2017 wider: Mehr als 30.000 freiwillige Rückkehrer, 26.000 Abschiebungen, verstärkt vor allem in die Maghreb-Staaten. 60 Gefährder konnten im Jahr 2017 erfolgreich zurückgeführt werden. Hier die Eckdaten der Asylstatistik 2017:
https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/...

Die aktuelle Zuwanderung hat nur sehr eingeschränkte Auswirkungen auf die langfristige Bevölkerungsentwicklung. Denn sie schlägt sich vor allem im kurzfristigen Anstieg der Bevölkerungszahl nieder. Den Trend einer weiter stark zunehmenden Alterung kehrt sie nicht um. Dies zeigen die Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis):
https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemit...

Die aktuellen Geburtenzahlen in Deutschland hingegen sind aus Sicht der Bundesregierung sehr erfreulich. Die Kinderlosenquote ist in den letzten Jahren nicht weiter angestiegen.
https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat...

Alles in allem gibt es also genug rationale Argumente, um der Behauptung einer drohenden „Überfremdung“ wirksam entgegentreten zu können.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Kommentare (12)Schließen

  1. Autor Felizitas Stückemann
    am 18. Dezember 2017
    1.

    Die Quintessenz: Es ist keine populistische Mär. Im Gegenteil
    hat schon VOR der gesamten Flüchtlingswelle, als sich schon
    mehrere millionen Menschen anderer Kuklturen bei uns befanden,
    der Grüne Özdemir (fröhlich) etwa so geäußert, dass die künftigen
    Generationen der Schulkinder nicht mehr Peter oder Alexander
    sondern Memmet und Mohammed heißen würden. Die Flüchtlings-
    welle kam ja nur noch obendrauf !

  2. Autor Christian Adrion
    am 18. Dezember 2017
    2.

    Naturlich geht es um Islamisierung, denn der Islam ist die beste Religion große Massen unter Kontrolle zu halten. Die Kleinen halten sich mit der Scharia gegenseitig in Schach und die Großen leben in goldenen Palästen. Vorbild Saudi Arabien, zu dem wir allerbeste Beziehungen pflegen. Übrigens ist der Islam die einzige Religion, die die Sklaverei erlaubt. Was für tolle Aussichten für die Industrie, der Gewinn geht durch die Decke.

  3. Autor Klaus Fink
    am 18. Dezember 2017
    3.

    Diese Problematik hat schon vor Jahren der viel gescholtene SPD-Politiker Thilo Sarrazin höchst vorausschauend in seinem Buch "Deutschland schafft sich ab" skizziert.

    Aufgrund der unterschiedlichen Geburtenentwicklung sind die Deutschen - da mache ich mir nichts vor - schon heute ein "sterbendes Volk".
    Man kann schon froh sein, wenn es nicht zu dem kommt, was in einem Roman als "Der letzte Mohikaner" betitelt ist.

    Dieser mehr humoristisch gemeinte Hinweis steht allerdings vor einem sehr, sehr ernsten Hintergrund.
    Durch die hohe Zuwanderung unter der Ägide Merkel und durch ungebrochene weitere Zuwanderung wird diese gefährliche Entwicklung geradezu befeuert.

    Aber selbst Merkel dürfte nicht entgangen sein, dass aufgrund des technologischen Wandels - u.a. in der Automobilindustrie und Zuliefererindustrie und aufgrund zunehmender Roboteranwendung in der gesamten Industrie - bald mit Millionenverlusten an Arbeitsplätzen zu rechnen ist. Dann steht Deutschland vor Riesenproblemen d.h. trotz demographischen Wandels ist die noch vor zwei Jahren propagierte Zuwanderungsnotwendigkeit in dem Umfang nicht mehr gegeben.
    Man braucht allenfalls gezielte und ausgewählte Zuwanderung entlang eines unbedingt und schnell zu schaffenden Zuwanderungsgesetzes.

    Ich befürchte aber, dass dies alles mit Merkel nicht mehr zu schaffen sein wird. Merkel steht leider für Stillstand und fehlende Vorausplanung.

  4. Autor Christian Adrion
    Kommentar zu Kommentar 3 am 19. Dezember 2017
    4.

    Frau Merkel meinte zu Sarrazins Buch "Das Buch ist wenig hilfreich!" Das finde ich nicht, sie hätte einmal ernsthaft reinschauen sollen, da wäre dem Deutschen Volk so manches erspart geblieben.

  5. Autor Klaus Fink
    Kommentar zu Kommentar 4 am 19. Dezember 2017
    5.

    Auch wenn Frau Merkel das Buch dezidiert gelesen hätte, sie hätte nicht anders verfahren.

    Sie tickt einfach in anderen Sphären. Man merkt immer wieder ihre frühe Sozialisation in einem kommunistischen Regime. Sie kann nicht über ihre Schatten springen.

    Kohl gehörte aus meiner Sicht in der geschichtlichen Retrospektive in die Rubrik "sich bietende Chancen super wahrgenommen aber auch viele Weichen fatal falsch gestellt", so u.a. seine verblendete Sicht auf die blühenden Landschaften in der DDR und in Folge die übereilte Währungsunion entgegen dem Rat von renommierten Fachleuten wie u.a. Helmut Schmidt. Aber viel schlimmer, er krönte sein Lebenswerk mit ungeheuerlichen Schwarzgeldkassen, einer heute immer sichtbar werdenden verfehlten Europa-Politik und seiner von ihm so sehr lange Zeit präferierten Nachfolge, die Deutschland durch viele Fehlentscheidungen schwer geschädigt hat.

  6. Autor Kornelia Christine Rebel
    am 19. Dezember 2017
    6.

    Die Politiker verharmlosen die Lage. Frau Merkel, eine Hauptaufgabe des Staates ist es, das eigene Volk und die Grenzen zu schützen. Sie haben und handeln immer noch krass verantwortungslos.

  7. Autor ines schreiber
    am 21. Dezember 2017
    7.

    Zu 7
    Hätte sie fast verpasst das dauert ein wenig bis die sich aufbaut....
    Das ist schon ziemlich erschreckend.... Und so viel weniger ist das garnicht zu 2015 was kommt....

  8. Autor Katharina Dr.med.Reitmaier
    am 28. Dezember 2017
    8.

    Ziemlich rechtslastig,verbunden mit indirekter Drohung.Aggressivität nimmt
    durch Frustration zu,wodurch sich die Gewaltspirale potenzieren kann.
    Praevention- Bewahrung der Rechtsstaatlichkeit

  9. Autor Yan Suveyzdis
    am 02. Januar 2018
    9.

    Der Anteil der Muslime an der Bevölkerung Deutschlands kann bis 2050 von derzeit rund 6% auf bis zu max. 20% steigen !!!!
    ---
    Das ermittelte das Washingtoner Pew Research Center
    ("Bild" berichtete am 01. Dez. 2017)

  10. Autor Felizitas Stückemann
    am 06. Januar 2018
    10.

    Zu 9.: Wieso ist ein Faktenchek rechtslastig ?? Weil man
    ihn veröffentlicht und nicht totschweigt ? Sollte es besser
    linkslastig bleiben und "weiter so" ? Sie haben es gut,
    Frau Reitmaier, sind Österreicherin, wie aus einem
    Kommentar einmal zu entnehmen war. In Österreich
    regiert der tolle Sebastian und wir müssen uns mit
    Frau Merkel rumärgern. Bitte nicht noch aus dem
    Ausland kontraproduktiv sein.

  11. Autor Katharina Dr.med.Reitmaier
    Kommentar zu Kommentar 1 am 08. Januar 2018
    11.

    Da haben Sie volkommen recht.

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