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Beantwortet
Autor Victoria Stengler am 28. April 2009
10581 Leser · 268 Stimmen (-31 / +237)

Kinder und Jugend

Seit wann werden Kinder vom Internet missbraucht?

Sehr geehrte Frau von der Leyen,

ich finde es als Anmaßend in der unabhängigen Presse zu lesen, wie man der Kinderpornografie vorbeugen will. Glauben Sie denn wirklich allen Ernstes, dass Sie sich Zuspruch unter den Wählern holen, indem Sie grundsätzlich alle Internetnutzer als Pädophil darstellen? Ich bin einer der 80% normalen Internet User wie Sie es in Ihrem Interview bezeichnen und schütze mich trotzdem mit meinem technischen Wissen. Deswegen bin ich noch lange nicht Phädophil!!!

Haben Sie denn überhaupt eine Ahnung vom Internet liebe Frau von der Leyen? Wissen Sie denn eigentlich wie "dumm" man sein kann und wie "wenig" Verständnis man benötigt um eine DNS Sperre zu umgehen? Haben Sie sich diese Thematik denn mal in natura angesehen oder zumindest mal versucht zu verstehen was man da versucht zu machen?

Sollte man nicht lieber alles Übel bei der Wurzel packen und nicht bloß immer nur die Sympthome bekämpfen. Kinder werden NICHT IN und VON Internetplattformen missbraucht, sondern auf Straßen, in Kellern und was weiß ich wo, von RICHTIGEN Menschen. Dem Kind tut es nicht weh im Internet gesehen zu werden, nein Frau von der Leyen, dem Kind wird vor dem Internetauftritt weh getan und da sollte man handeln.

Sie und andere Politiker sollten Ihre Zeit nicht mit der Erfindung sinnloser technischer Hürden vergeuden sondern unseren kleinen Erdenbürgern in der wirklichen Not helfen. Es wird kein Kind interessieren wie viele Internetseiten sie sprerren oder wie viel Zeit mit dessen Erfingung einhergeht, wenn man in der Zeit dem Kind hätte wirklich helfen können. Bevor sein junges unschuldiges Leben zur Hölle wird. Nicht das, wie Sie es bezeichnen, "Massengeschäft" muss verhindert werden, sondern die zuvorkommende Produktion.

Mit freundlichen Grüßen
Victoria Stengler

+206

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Antwort
von Ursula von der Leyen am 10. August 2009
Ursula von der Leyen

Sehr geehrte Frau Stengler,

vielen Dank, dass Sie sich auf diesem Weg an der aktuellen Diskussion beteiligen. Vorweg: Ich habe nie behauptet, dass 80 Prozent der Internetnutzer pädophil seien. Kriminologen gehen davon aus, dass etwa 20 Prozent der User, die sich bewusst und gezielt kinderpornografisches Material im Netz anschauen, schwer Pädokriminelle sind. Diese Zahl habe ich öfter genannt. Was viele nicht wissen: Wer gezielt im Netz nach Kinderpornografie sucht, macht sich bereits strafbar. Mit den Zugangssperren wollen wir verhindern, dass jedermann ungehindert Bilder und Videos von vergewaltigten Kindern ansehen und herunterladen kann. Jedes Anclicken der Bilder ist ein erneuter Missbrauch der Kinder. Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Sexualtherapeuten sagen, der ungehinderte Zugang in Deutschland zu kinderpornographischem Material im Internet ist wie ein roter Teppich zum Einstieg. Langzeitstudien zeigen, dass die dauerhafte, ungehinderte und zunehmend intensive Beschäftigung mit diesen Bildern, die Hemmschwelle senkt, die Empathie mit den Opfern mindert und pädophiles Verhalten festigt. Hier am Anfang präventiv tätig zu sein, ist ein Vorgehen vieler europäischer Länder seit Jahren. Beim Aufrufen solcher Seiten leuchtet in Zukunft ein Stopp-Schild auf und das macht ganz deutlich: Wer weitersurft und versucht, die Sperre zu umgehen, zeigt, dass er sich bewusst strafbar macht! Natürlich darf es dabei nicht bleiben. Internetsperren können nur ein Baustein sein. Deswegen gilt der Grundsatz Löschen vor Sperren. Die Täter müssen gefunden und die Quellen geschlossen werden. Polizei und Bundeskriminalamt leisten dabei in Deutschland hervorragende Arbeit. Viele Server mit Kinderpornografie stehen aber häufig im Ausland, manchmal in Staaten, in denen Verbreiter von Kinderpornografie keine Verfolgung fürchten müssen. In diesen Fällen sind die Internetsperren unerlässlich. Technisch versierte User werden immer Wege finden, diese zu umgehen. Sie hindern aber die Mehrheit der Internetnutzer daran, immer tiefer in den Sumpf hineingezogen zu werden.

Mit freundlichen Grüßen