Das Mittel zur Erzeugung öffentlicher Akzeptanz heißt Kommunikation
Im vorangegangenen Post wurde ein Blick auf „direktzu Stuttgart 21“ als Beispiel erfolgreicher Krisenkommunikation mit Many-to-One geworfen. Ein Projekt wie Stuttgart 21 ist dabei nur ein Aspekt eines grundlegenden Strukturwandels, wie er sich gegenwärtig durch eine zunehmende Technisierung und Vernetzung unserer Umwelt vollzieht.
Für die Menschen bedeutet dies eine verbesserte Infrastruktur und eine Steigerung der Mobilität. Auch Kommunikationsmittel spielen für die Entwicklung eine wichtige Rolle. Mobilfunk, drahtloses Internet und immer leistungsstärkere und bedienungsfreundlichere Geräte und Anwendungen ermöglichen heute einen ortsungebundenen Austausch von Botschaften der Menschen untereinander.
Der Strukturwandel verläuft jedoch nicht frei von Widersprüchen. Mit dem Begriff des „Wutbürgers“ kündigt sich eine neue Form des Widerstands in der Bevölkerung an. Darin kommt die Forderung nach mehr Beteiligung der Menschen am politischen Gesamtgeschehen zum Ausdruck. Stuttgart 21 ist kein Einzelfall, der Protest richtet sich gegen großangelegte Technologie- und Infrastrukturprojekt aller Art. Und die schrecklichen Ereignisse in Fukushima haben dieser Entwicklung gerade beim Energiethema noch einmal Vorschub geleistet. Der Ort, an dem sich der Protest zu einem großen Teil entlädt, ist das Internet. In Form Sozialer Medien finden die Bürger Möglichkeiten vor, um sich auf einfache Art und Weise zu vernetzen und ihrem gemeinsamen Ärger Luft zu verschaffen.
Die Träger großer Projekte sehen sich dadurch mit einer medialen Öffentlichkeit konfrontiert, wie es sie bis vor wenigen Jahren noch nicht gegeben hat. Was sie gegenwärtig und zukünftig vor die Herausforderung stellt, der im Netz entfachten Diskussion irgendwie beizukommen. Die Anliegen der Menschen zu ignorieren, stellt hier keine Alternative dar. Es stellt sich vielmehr die Frage, wie man als Träger eine Vielzahl von Menschen im Internet erreichen und somit für Akzeptanz zukünftiger Großprojekte sorgen kann. Für die Befürworter bietet das Web eine Chance der Skepsis mit sachlichen Argumenten zu begegnen und so die Akzeptanz zu fördern. Für die Gegner bietet es die Möglichkeit Zweifel und Sorge zum Ausdruck zu bringen und damit gehört zu werden. Aus einem entsprechenden Online-Dialog können sich für beide Parteien daraus Ansätze konstruktiver Zusammenarbeit ergeben – denn aus Zweifel können auch Verbesserungsvorschläge erwachsen, die allen nutzen.
Das Mittel zur Erzeugung öffentlicher Akzeptanz aber heißt Kommunikation. Praktisch muss hier für Projektträger in Sozialen Medien nur noch das Problem der Masse gelöst werden, wie die zahlreichen Meinungen der Nutzer so zusammengeführt werden können, dass der Austausch auf eine effiziente Weise zu einem relevanten Ergebnis führt. Denn wer die Eigendynamik der Sozialen Medien kennt, der weiß auch, wie leicht man sich dort verzetteln kann.
Möglichkeiten, um sich als Projektträger den Anliegen von Millionen von Bürgern zu öffnen, bietet Many-to-One. Wobei den Projektverantwortlichen von Stuttgart 21 hier eine absolute Vorreiterrolle zukommt. Sie waren die ersten, die dieses Format für den projektorientierten Dialog einsetzten. Jedoch ist in Anbetracht eines anhaltenden Strukturwandels des Landes davon auszugehen, dass dies nicht das letzte Many-to-One-Angebot gewesen sein wird, das der Schlichtung zwischen Bürgern und Ausführenden dienen wird.
Ein Projekt wie Stuttgart 21 ist erst der Beginn des Strukturwandels, wie wir ihn im 21. Jahrhundert erfahren. Der Kommunikationsbedarf seitens der Bürger angesichts dieser Entwicklung ist immens. Umso wichtiger ist es, die Fragen der Menschen rechtzeitig abzufangen und mögliche Barrieren abzubauen. Der Erfolg großer Zukunftsprojekte wird jedenfalls in einem entscheidenden Maße davon abhängig sein, inwiefern es den Trägern gelingt, in einen transparenten und vor allem effizienten Dialog mit den Bürgern zu treten, und die Menschen an der Umsetzung der Projekte zu beteiligen.
(Siehe dazu auch: „Mehr Bürger-Mitsprache durch Social-Media - Verwaltungen wollen aus Stuttgart 21 lernen“.)