Direkt zum Kardinal, oder: Wie sich ein Erzbischof online mit einer Vielzahl von Menschen über Gott und die Welt unterhält
Social Media und Web 2.o sind selbst in einer traditionsbewussten Institution wie der katholischen Kirche keine Fremdwörter mehr. Die Notwendigkeit einer zeitgemäßen Online-Kommunikation wurde im kirchlichen Umfeld bereits seit längerem diskutiert. Jetzt macht niemand Geringeres als der Erzbischof von Köln den ersten Schritt und stellt sich mit direktzu den Fragen und Problemen der Menschen im Internet.
Am Pfingstsonntag ging Joachim Kardinal Meisner als weltweit erster hoher kirchlicher Würdenträger mit einer direktzu-Plattform online. Unter der Adresse http://www.direktzumkardinal.de können sich die Menschen mit ihren durchaus auch kritischen Anliegen „zu Glauben, Leben und Kirche“ an den Kardinal wenden. Über die Relevanz der Beiträge entscheidet die Nutzergemeinde per Abstimmungsverfahren. Kardinal Meisner wird dann regelmäßig die wichtigsten Beiträge öffentlich auf der Plattform beantworten.
Über Gott und die Welt mit Many-to-One
In einer Umfrage von domradio.de hatte sich eine Mehrheit von Befragten gewünscht, dass Herr Meisner über Facebook Kontakt mit den Bürgern aufnehmen möge. Allerdings wäre ein Facebook-Auftritt für eine exponierte Persönlichkeit wie den Erzbischof mit Hindernissen verbunden gewesen. Darauf wurde im Rahmen dieses Blogs bereits aufmerksam gemacht. Im Many-to-Many-Medium ist die kritische Masse von Teilnehmenden schnell erreicht, was es Kardinal Meisner unmöglich gemacht hätte, entsprechend auf die Anliegen hunderter oder tausender von Menschen zu reagieren. Ebenso ungelöst wäre hier das Problem der Relevanz geblieben. Das wäre gerade für bedeutsame Fragestellungen, die den Glauben und die Existenz der Menschen betreffen, sehr unvorteilhaft gewesen, insofern die wirklich wichtigen Fragestellungen in der Masse von Many-to-Many-Einträgen untergegangen wären.
Voraussetzung dafür, dass im Internet eine Person wie der Kölner Erzbischof mit einer Vielzahl von Menschen sprichwörtlich über Gott und die Welt ins Gespräch kommen und zu ihren wichtigsten Anliegen Stellung nehmen kann, ist die Bündelung und Priorisierung der Anliegen. Die Wahl des Erzbistums fiel daher bei dem Vorhaben nicht zufällig auf direktzu. Schließlich ist Many-to-One eine der wenigen Anwendungen, die für die Probleme der Masse und der Relevanz eine Lösung bereithalten.
Ob weitere kirchliche Würdenträger dem Vorbild Meisners folgen werden, bleibt zunächst abzuwarten. Interessant ist das Many-to-One-Angebot für sie aber alle Male. Bietet es ihnen doch die Möglichkeit, mit der Online-Community in einen kontrollierten Austausch zu treten, was gängige Social- Media-Anwendungen bisher vermissen lassen.
