Beantwortet
Autor R. Fleddermann am 04. Januar 2018
2020 Leser · 203 Stimmen (-0 / +203) · 3 Kommentare

Die Kanzlerin direkt

Milliarden Rekordkosten für Noteingriffe ins Stromnetz ....zahlt ja der Verbraucher

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin (Gf),

So sieht eine Stromabrechnung für einen privaten Verbraucher für das Jahr 2017 aus:

Hier die Steuer-und Umlagenanteile:

1. EEG-Umlage¹ (26,91 %)
2. Offshore-Umlage¹(-0,11 %)
3. Umlage abschaltbare Lasten¹(0,02 %)
4. Konzessionsabgabe¹ (6,22 %)
5. § 19 StromNEV-Umlage¹ (1,52 %)
6. KWKG-Umlage¹ (1,71 %)
7. Netznutzungsentgelt¹ (21,54 %)
8. Messstellenbetrieb¹ (0,69 %)
9. Stromsteuer (8,02 %)
10. Umsatzsteuer (15,97 %)

¹ https://www.evita-energie.de/ratgeber/umlagen-2017/

Anteil für Strombeschaffung
und Stromvertrieb lediglich
(18 %)

Anteil für Steuern,
Abgaben, Netzbetrieb und
Messstellenbetrieb
(82 %)

Ein großer Teil des Stromsteueraufkommens fließt in den zusätzlichen Bundeszuschuss für die gesetzliche Rentenversicherung.

Ist es überhaupt gerechtfertigt, dass aus einer Stromsteuer, der Bundeszuschuss für die Rentenversicherung gefüttert wird ?
Wäre nicht die Stromsteuer originär dem Netzausbau und der Kompensation der Milliardenkosten für die Noteingriffe ins Stromnetz zwangsläufig zu verwenden ?
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/tennet-stromnetz-101...

Wenn diese Energiewendepolitik so weiter fortgeführt wird, dann explodieren die Verbraucherpreise, die ja schon die 2. höchsten in Europa sind.

Wird das nicht auch unbedingt in eine KOA-Vereinbarung als ein Kernpunkthema aufzunehmen sein ?

Man führe sich vor Augen :

82% der Stromrechnung sind Steuern und Abgaben.
Strompreise fallen in der Produktion…aber steigen beim Verbraucher ( schon Verdoppelung seit 2004 ! )

Sieht die Politik hier nicht auch dringendste Deregulierungsnotwendigkeit ?

+203

Über diesen Beitrag kann nicht mehr abgestimmt werden, da er bereits beantwortet wurde.

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 09. Februar 2018
Angela Merkel

Sehr geehrter Herr Fleddermann,

vielen Dank für Ihre Frage, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten.

Deutschland hat den Weg in eine sichere, klimaschonende und wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft der Energieversorgung eingeschlagen. Wie bei anderen Großprojekten auch sind für die „Energiewende“, 2011 politisch mit dem Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen, zunächst Investitionen erforderlich. Diese verursachen Kosten, die sich in den „staatlich veranlassten Strompreisbestandteilen“ niederschlagen. Die tragen die Verbraucher über ihre Stromrechnung. Um steigenden Strompreisen nachhaltig vorzubeugen, muss die Umsetzung der Energiewende so kosteneffizient wie möglich gestaltet werden. Dies ist ein Kernanliegen der Energiewende.

Der Strompreis für Haushaltskunden setzt sich im Wesentlichen aus folgenden Bestandteilen zusammen:

  • dem Preis für die Beschaffung und den Vertrieb des Stroms. Je nach Stromanbieter kann dieser unterschiedlich hoch sein und wird auch als Wettbewerbsanteil bezeichnet. Stromkunden können hier häufig Geld sparen, indem sie ihren Stromliefervertrag gut auswählen und prüfen, ob sich ein Wechsel des Anbieters oder des Tarifes für sie lohnt.

Nicht direkt beeinflussbar für den Stromanbieter sind dagegen die weiteren Strompreisbestandteile, die durch Gesetze und staatliche Regelungen vorgegeben werden:

  • die Entgelte für die Nutzung der Stromnetze sowie
  • die staatlich veranlassten Preisbestandteile. Hierbei handelt es sich um Steuern, Abgaben und Umlagen. Sie finanzieren vielfältige Aufgaben wie zum Beispiel Bau und Unterhalt von Windkraft- und Photovoltaikanlagen oder Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung (KWK-Anlagen).

Die bekannteste im Strompreis enthaltene Umlage ist die nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG-Umlage). Sie macht gut ein Fünftel des Strompreises aus. In den Jahren 2008 bis 2014 stieg sie deutlich an. Grund dafür war, dass in dieser Phase sehr viele Erneuerbare-Energien-Anlagen errichtet wurden, denen das EEG feste Vergütungen über einen Zeitraum von 20 Jahren garantierte. Dadurch ist ein „Kosten-Rucksack“ entstanden, den von allen Stromkunden tragen mussten. Die grundlegende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes 2014 konnte den Kostenanstieg der EEG-Umlage bremsen. Seither stieg die Umlage nur minimal.
https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2017/10...

Die erneute Reform des EEG 2017 erzielte weitere Fortschritte: Erstmals in der Geschichte des EEG wird die Förderhöhe für erneuerbare Energien nicht mehr vom Staat festgesetzt, sondern im Wettbewerb ermittelt. Es gilt nun das Prinzip: „Wer wenig fordert, wird gefördert.“ Das soll die Fördersätze für die Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen auf das wirtschaftlich notwendige Minimum reduzieren und die Kosten für Verbraucher dämpfen.
http://www.bmwi.de/Navigation/DE/Themen/energiepreise-und...

Die Tatsache, dass der Bund fast alle Einnahmen aus der höheren Besteuerung von Kraftstoffen und Strom jährlich im Rahmen des zusätzlichen Bundeszuschusses an die allgemeine Rentenversicherung zahlt, geht auf das Jahr 1999 zurück. Die damalige Bundesregierung führte die sogenannte „Ökologische Steuerreform“, auch „Ökosteuer“ genannt, ein. Zum Hintergrund: Die fossilen Energieträger Öl, Gas, Kohle und Uran stehen nur begrenzt zur Verfügung. Denn wir verbrauchen viel mehr und immer schneller Ressourcen, als unser Ökosystem auf Dauer verkraften kann. Die Verbrennung fossiler Energieträger führt langfristig zu einem massiven Anstieg des Ausstoßes klimaschädlicher Gase (z.B. CO2). Gleichzeitig belasteten hohe Lohnnebenkosten Wirtschaft und Arbeitsmarkt.

Die Einführung der „Ökosteuer“ entlastete den Faktor Arbeit, indem die Steuerlast auf den Faktor Energie überging („Energie wird teurer, Arbeit wird günstiger“). So sorgt die „Ökosteuer“ seit ihrer Einführung für niedrigere Lohnnebenkosten. Ohne sie wären die Beitragssätze zur Rentenversicherung um circa 1,7 Prozentpunkte höher.
http://www.bundesfinanzministerium.de/Web/DE/Themen/Zoll/...

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Kommentare (3)Schließen

  1. Autor ines schreiber
    am 04. Januar 2018
    1.

    Klasse Beitrag....
    Und wenn man dann noch rechnet , dass der Steuerzahler auch für den Rückbau zuständig ist .... Und gegebenenfalls auch Folgekosten

  2. Autor Rainer Fleddermann
    am 08. Januar 2018
    2.

    Ergänzung zu meinem Beitrag:

    Ein Bericht, der die Chaotik der Energiewende und das Verlagern der Kosten auf den Verbraucher in der ganzen Komplexität aufzeigt:

    Gutachten entlarvt die nächste Posse der Energiewende.
    https://www.welt.de/wirtschaft/article172251840/Stromprei...

  3. Autor Ingeborg von Platen
    am 23. Januar 2018
    3.

    Guter Beitrag Herr Fleddermann. Die sog. Energiewende kostet den Verbraucher Milliarden, jährlich ansteigend. Das Verrückte ist ja, dass trotzdem eine stabile Stromlieferung nicht gewährleistet ist.

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